Mittwoch, November 11, 2009

Gefrorene Äpfel


Frozen apples
Originally uploaded by Katja Maasing
Katja Maasing hat einen Eindruck der ersten großen Wintereinbruchs in Estland festgehalten. Wahrscheinlich nur vorübergehend. November ist noch zu früh.

Donnerstag, November 05, 2009

Sing, Taarka, sing!

"Der erste Film in der Sprache der Seto," so war "TAARKA" angekündigt, der 2008 in Tartu uraufgeführt wurde und inzwischen - mit viel Glück - ab und zu auch auf internationalen Festivals zu sehen ist. Interessierte Filmfans seien vorgewarnt: denjenigen, die diesen Film gesehen und erlebt hat, bleiben nachher mehr Fragen als vorher.

TAARKA ist kein "Dokumentarfilm" in dem Sinne, dass ein Sprecher mit sonorer Stimme aus dem Hintergrund Situationen und geschichtliche Zusammenhänge erklärt. Die Geschichte der Darja Pisumaa (so die Seto-Sängerin Hilana Taarka mit bürgerlichem, estnischem Namen) wird zwar erzählt, indem einzelne Sequenzen auch geschichtliche Daten einblenden und sich darauf beziehen. 1856 geboren und 1933 gestorben stellt "Taarka" sowohl für die Seto-Kultur (dessen Angehörige im Deutschen auch "Setukesen" genannt werden) als auch als Figur einer "starken Frau" einen Mythos dar.

Vielleicht hat ein Film dann einen Sinn, wenn den Zuschauern auch nachher noch Bilder und Eindrücke im Gedächtnis bleiben. Wie die junge Taarka in einem Tümpel Kontakt zu einer Kröte sucht, wie sie am Rande eines Dorffestes ihre erste Romanze mit einem Dorfjungen erlebt. Oder wie sie später gemeinsam mit ihrer Tochter zu Hochzeiten oder anderen Festlichkeiten ins Dorf kommt und den Widerwillen vor allem der Frauen des Dorfes ihr gegenüber zu überspielen versucht. Oder die Kette, das letzte Stück Schmuck was der jungen Frau blieb, die dann im herunterhängenden Zweig eines Baumes hängen bleibt und später, viel später von der eigenen Tochter wiedergefunden wird. Oder vielleicht wie eine kleine Gruppe Seto-Frauen in Festtracht auf einem unendlich klein scheinenden hölzernen Schiff hinüber nach Helsinki gebracht werden, um vor einer erlesenen finnischen Zuhörerschar am Ende dem finnischen Präsident (und striktem Antialkoholiker) eine Flasche Schnaps als "Liederöl" zu empfehlen.

Wie nah liegen Geburt und Tod, Schicksal und Glück, Ehre und Schande beieinander in diesem Film! Ein Kind wird gezeugt, aber nur eine kurze Szene lang darf deutlich werden, dass die junge Taarka es nicht ernähren wird können, und der Kindsvater Abstand nimmt. Schon in der nächsten Szene wird es begraben. Viele andere Szenen im Film geben vor allem den schweren Dorfalltag aus der Sicht der Frauen wieder - nicht nur der Alltag ist schwer, auch die Eskapaden und Anmaßungen der Männer müssen erduldet und erlitten werden.

Eine meiner Lieblingsszenen: die Ankunft der "finnischen Wissenschaftler" im Seto-Dorf. "Ich werde sie erforschen!" Eine junge blonde Frau mit hoch gesteckten Haaren tänzelt nervös zwischen den Dorfbewohnern umher (in Hosen!). Ihr Wissenschafts-Kollege, ausgerüstet mit vielen neuartigen Meßinstrumenten und Aufnahmegeräten, ihm scheint es wohl zu gelingen, einer Frau wie Taarka endlich mehr Geltung zu verschaffen im Dorf. Aber da lebt die Seto-Sängerin schon abgeschieden außerhalb (im Moor?). Sie gewinnt den Wettstreit mit den anderen: es bedarf nicht nur stundenlangen Singens, nein vor allem sind die angereisten Ethnologen an in Gedichtzeilen gefasste Beschreibungen des Alltagslebens der Seto interessiert. Und in diesen Disziplinen ist Taarka unschlagbar. 
Eindrucksvolle Schauspieler, die Kameraführung und die Einstellungen, auch die Filmmusik tragen dazu bei, dass dieser Film ein paar Bilder im Kopf hinterlässt. "Sing, Taarka, sing" diese Aufforderung bedeutete in vielen Phasen ihres Lebens für die eigentliche historische Figur und Filmheldin die einzige Möglichkeit auch für ihr Überleben zu sorgen. Denn mit ihrer direkten Art, ihrer Suche nach echtem Gefühl, nach Liebe und Lebenslust, war sie alles andere als geschaffen für ein abgeschiedenes Dörflerinnenleben. Am Ende wird klar: Ich habe es geschafft, mein Leben. Wenn dieses möglich ist, wie blass wird da vieles andere angeblich Unmögliche?


Mehr Info zum Film




Dienstag, November 03, 2009

Estland - "according to Estonians"

Das ist der zweite Streich nach dem Video "Europe according to Estonians". Viele Kommentare bei Youtube haben bezweifelt, dass die Urheber Esten sind. Jetzt folgt das zweite Video, und das verlangt schon eine Menge Insiderwissen. Dahinter stecken Studenten in Tartu.


Tipp von: Antyx

Freitag, Oktober 30, 2009

Mein Foto des Monats

Mein Foto des Monats: der estnische Präsident und das Thema Afghanistan. Ein Foto, das verdeutlicht, dass auch in Estland dieses Thema nicht so diplomatisch sauber seziert werden kann, wie es auch die bisherigen deutschen Militärminister gerne hätten.
 
Vielleicht hätten sich die Fotografen einen schöneren Bildhintergrund gewünscht? Waren keine Staatsflaggen oder Weltkulturerbe verfügbar?
Im englischsprachigen Pressetext - die estnische Beteiligung in Afghanistan betreffend - ist von einer "Operation" die Rede. Eine Inspiration durch den lettische Amtskollegen Zatlers (ein ausgebildeter Arzt) ? Ich finde, der offensichtliche Unterschied zwischen Diplomatie und "Drecksarbeit" wird hier unvermittelt deutlich.

Dienstag, Oktober 27, 2009

Mehr virtuelle Wähler

662.816 der insgesamt 1.094.317 Wahlberechtigten (60.6%) in Estland haben sich bei den Kommunalwahlen in diesem Oktober beteiligt. 104.413 davon - das sind 9,5% der Wahlberechtigten - taten das virtuell über das Internet.
Anders gerechnet: 15,75% aller Wähler nutzten das Internet (siehe Statistik des estnischen Wahlamts).

Der Rest der Statistiken sind Feinheiten des estnischen Wahlrechts. Offenbar gibt es die Möglichkeit, erst vorab per Internet zu wählen, und dann am Wahltag DOCH zur Wahlkabine zu gehen und sein Kreuz doch auf Papier zu machen. Das machten 100 Wähler/innen.
Dann gibt es die Möglichkeit, seine elektronisch abgegebene Stimme während der 7 Tage, an denen abgestimmt wird, zu korrigieren. Davon machten 2.373 Wähler/innen Gebrauch. Schließlich hat das Wahlamt noch gezählt, wie hoch der Prozentsatz der Internetwähler unter denen ist, die ihre Stimme im Ausland abgeben: das sind 2,8% aus 82 verschiedenen Ländern gewesen.
Zur Wahl per Internet benötigt man eine ID-Karte. 18,5% der Internet-Wähler/innen nutzten die ID-Karte dabei zum ersten Mal, so das Wahlamt.

Montag, Oktober 26, 2009

Minu Eesti in Lasnamäe





IMG_2168
Originally uploaded by cj.sveningsson
Dies ist eine Aktion von Minu Eesti einer Freiwilligenorganisation: Für ein grünes Lasnamäe, eine der Trabantenstadtteile Tallinns. cj. sveningsson hat das Treiben an einem grauen Oktobertag festgehalten.


Let's Do It Greening Lasnamäe!

Please join us on 25. october at 11 am to plant trees inLasnamäe Tondiloo park.

On My Estonia Brainstorming event we gathered dreams from participants in order to full-fill 3 of these ideas. The dream of one participant was to make Lasnamäe greener. We wish to make this dream reality with her!

Sonntag, Oktober 18, 2009

Drei Blogger - drei Bücher


Leider, leider haben wir sowas noch nicht auf Deutsch. Aber drei englischsprachige Blogger haben ihre Estlanderfahrungen in drei Buchprojekte umgesetzt.
Als ersten möchte ich Justin Petrone nennen, hier bekannt unter dem Autorennamen Giustino. Ein Amerikaner aus New York, der jetzt mit seiner estnischen Familie in Tartu lebt.
Justin Petrone: My Estonia
Am I permitted to live?

Erscheint bei Petrone Print. Das ist der Verlag, den seine Frau Epp gegründet hat. Auszüge auf Englisch sind unter dem Link zu finden.

Ähnlich im Stil schreibt der estnische Kanadier Vello Vikerkaar: Inherit the Family: Marrying into Eastern Europe stories

Hier ein Beispiel aus seinem Blog: Running und einem Link zum Buch.


Buch drei ist: Back on the map
Die Erinnerungen von Marc Hyman (Blog:Back on the map) an das Umbruchsjahr 1992

Freitag, Oktober 16, 2009

Othello an der Ostfront 1918

drakegoodman ist im Besitz unzähliger Postkarten und Fotos aus dem 1. Weltkrieg und veröffentlicht sie ebenfalls wie wir (Infobalt-Archiv) bei Flickr.
Diese Szene oben zeigt eine Aufführung des Othello.
Auf der Rückseite steht "Letter on reverse dated 22.7.1918 with admin stamp from Kgl. 11. Komp. Landw. Inf. Regt. Nr. 21." Drakegoodman hat recherchiert und herausgefunden, dass dieses Regiment zur Zeit der Aufnahme als Besatzungstruppe in Estland oder Russland im Nordosten eingesetzt war.
Es ist erstaunlich wie viel unbekanntes Bildmaterial noch auftauchen kann. Gerade, wo sich das allgemeine Bildgedächtnis auf immer wiederkehrende Motive reduziert. Online kann man den umgekehrten Weg gehen.

Mittwoch, Oktober 07, 2009

Mehr Volksabstimmungen für Estland?

Braucht Estland mehr Volksabstimmungen? So wie "Eurotopics" die Ergebnisse der wiederholten EU-Abstimmung in Irland zum Vertrag von Lissabon deutet, ja.
Eurotopcis zitiert die estnische "Õhtuleht"mit einer kommentierenden Kritik, dass der neue für alle EU-Mitglieder nach Inkrafttreten bindende Vertrag in Estland dem Volk erst gar nicht zur Abstimmung vorgelegen habe. Gut, nun kann man sich gern für mehr Volksabstimmungen einsetzen - als Mittel der Demokratie, der Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern in demokratische Entscheidungsprozesse.

Ob Õhtuleht es aber so gemeint hat - oder beispielhaft für eine estnische Haltung steht - wie es im Schlußsatz hier bei Eurotopcis zitiert wird? "Der Lissabon-Prozess bleibt uns so weit weg wie einst die Sowjetunion."

Liebe estnische Journalist/innen, liebe europäischen Demokratie-Versteher/innen: sollen denn bitte diese erwünschten Volksabstimmungen von der EU vorgeschrieben werden? Wo sind die estnischen Inititiativen, die sich politisch beteiligen wollen - außerhalb der Parteien - und deren Interessen keiner hört? Da müsste doch wohl erstmal vor der eigenen Tür gekehrt werden, ähnlich wie Estland ja auch in anderen Bereichen der EU die Standards mutig vorgegeben hat oder doch gerne die Diskussion bestimmen möchte. Beispiel: Wer an Estland in Europa denkt, könnte gleichzeitig auch an die flächendeckende Zugänglichmachung des Internets für Bürgerinnen und Bürger denken. Wer aber Volksabstimmungen einführen möchte, der sollte das mindestens genauso intensiv in Estland tun, wie es für Europa gefordert wird.

Montag, Oktober 05, 2009

Raudsilla


Raudsilla
Originally uploaded by Veronika Roosimaa
Der Herbst. Einige meinen, dass es jetzt sechs Monate grau bleibt. Vielleicht, und nicht immer. Der Herbst kann so aussehen, wie Veronika Roosimaa die Stimmung eingefangen hat. Nur eins ist ganz sicher: Die Tage werden kürzer, und es wird dunkler. Im Dezember oder sogar früher kann nur der Schnee für Ausgleich sorgen.

Raudsilla homepage.